Das Wichtigste in Kürze
- Texterkennung macht ein Dokument lesbar, ein KI-Modell überträgt die gesuchten Angaben in feste Felder.
- Anders als ältere Lösungen braucht KI keine Schablone pro Formular und kommt mit wechselnden Layouts zurecht.
- Verlässlich wird es erst mit klaren Felddefinitionen, Plausibilitätsprüfungen und einer Person für unsichere Fälle.
- Messen Sie die Qualität pro Feld und lockern Sie die Kontrolle erst, wenn ein Feld sich bewährt hat.
- Starten Sie mit einer häufigen Dokumentart, die heute von Hand abgetippt wird.
Daten aus PDFs und Formularen lassen sich heute automatisch auslesen: Eine Texterkennung (OCR) macht das Dokument lesbar, und ein KI-Modell überträgt die gesuchten Angaben in festgelegte Felder. Anders als ältere Lösungen braucht das keine Schablone pro Formular und kommt mit wechselnden Layouts zurecht. Verlässlich wird es durch klare Felddefinitionen, automatische Prüfungen und eine Person, die unsichere Fälle kontrolliert.
Welche Dokumente eignen sich zum automatischen Auslesen?
Am besten eignen sich Dokumente, die oft vorkommen, ähnliche Angaben enthalten und heute von Hand abgetippt werden. Typische Beispiele aus KMU:
- Anmelde- und Antragsformulare, etwa Schadenmeldungen, Kursanmeldungen oder Formulare von Mietinteressenten.
- Lieferscheine, Auftragsbestätigungen und Bestellungen von Lieferanten.
- Verträge, aus denen Sie Parteien, Laufzeit, Kündigungsfrist und Beträge in eine Übersicht übernehmen.
- Prüfprotokolle, Zertifikate und Datenblätter im Handwerk und Bau.
- Eingescannte Briefe von Ämtern und Versicherungen, bei denen Frist und Geschäftsnummer zählen.
Buchhaltungsbelege funktionieren nach demselben Prinzip. Dafür gibt es aber meist schon spezialisierte Funktionen in der Buchhaltungssoftware, deshalb geht es hier um alles andere.
Wie liest KI ein Dokument aus?
In fünf Schritten, vom eingehenden Dokument bis zum fertigen Datensatz:
- Dokument erfassen.Das PDF, der Scan oder das Handyfoto kommt per Mail, Upload oder aus einem überwachten Ordner.
- Text erkennen.Bei gescannten Dokumenten macht die Texterkennung aus dem Bild Text, samt Tabellen und Ankreuzfeldern. Bei digital erstellten PDFs ist der Text schon da.
- Felder füllen.Ein Sprachmodell sucht die festgelegten Angaben, etwa Name, Datum, Objekt und Betrag, und gibt sie in einer festen Struktur zurück. Es erkennt, dass «Datum der Unterzeichnung» und «unterzeichnet am» dasselbe meinen.
- Prüfen.Regeln kontrollieren, ob die Angaben plausibel sind: Stimmt die Summe? Gibt es diese Kundennummer? Liegt das Datum in der Zukunft?
- Übergeben oder vorlegen.Was alle Prüfungen besteht, geht in Ihr System. Unsichere Fälle landen mit markierten Feldern bei einer Person.
Was ist anders als bei klassischer Texterkennung?
Klassische Lösungen lesen Felder an festen Positionen und brauchen für jedes Formular eine Schablone. KI erkennt die Angaben an ihrem Inhalt. Das hilft, wenn ein Lieferant sein Layout ändert, wenn Dokumente auf Deutsch, Französisch und Italienisch eintreffen oder wenn dieselbe Angabe jedes Mal anders heisst. Die Kehrseite: Ein Sprachmodell kann eine Lücke mit einem plausiblen, aber falschen Wert füllen. Warum das passiert, erklärt Warum KI halluziniert. Für ein einziges, immer gleiches Formular reicht oft ein regelbasiertes Verfahren, wie KI oder klassische Automatisierung zeigt.
Was, wenn verschiedene Dokumente im selben Postfach landen?
Dann kommt vor dem Auslesen ein Schritt dazu: das Einordnen. Das System erkennt zuerst, ob es eine Schadenmeldung, einen Lieferschein oder eine Kündigung vor sich hat, und wendet dann die passende Felddefinition an. Auch das kann KI gut, solange jede Dokumentart klar beschrieben ist. Stecken mehrere Dokumente in einem Scan, trennt es sie vorher auf. Für alles, was in keine Kategorie passt, braucht es einen festen Weg zu einer Person, damit nichts liegen bleibt.
Wie stellen Sie sicher, dass die Daten stimmen?
Mit mehreren Prüfungen, die sich gegenseitig ergänzen:
- Felder genau definieren: Format, erlaubte Werte und was gilt, wenn eine Angabe fehlt. Ein leeres Feld ist besser als ein geratenes.
- Gegen Stammdaten prüfen: Kundennummer, Objekt, Lieferant und Artikel mit Ihrem System abgleichen.
- Rechenregeln anwenden: Summen, Menge mal Preis, Reihenfolge von Daten.
- Schweizer Formate beachten: Beträge wie 1'250.50, Daten wie 01.10.2026, Dokumente in mehreren Landessprachen.
- Stichproben ziehen: Auch Fälle, die alle Prüfungen bestehen, kontrollieren Sie am Anfang regelmässig.
Messen Sie die Qualität pro Feld und nicht pro Dokument. Ein Name, der fast immer stimmt, und ein Betrag, der jedes zehnte Mal falsch ist, brauchen unterschiedlich viel Kontrolle. Lockern Sie die Prüfung Feld für Feld, sobald sich ein Feld über eine gewisse Zeit bewährt hat.
Wo liegen die typischen Stolpersteine?
Meist nicht beim Lesen an sich, sondern bei Dokumenten, die im Alltag unordentlicher sind als im Test:
- Tabellen über mehrere Seiten, bei denen Zeilen am Seitenende auseinanderfallen.
- Stempel, Unterschriften und Notizen, die über dem gedruckten Text liegen.
- Ankreuzfelder, die schief, halb oder doppelt angekreuzt sind.
- Fotos mit Schatten, schräg aufgenommen oder unscharf.
- Alte Formularversionen, auf denen ein Feld anders heisst oder ganz fehlt.
Keiner dieser Punkte spricht dagegen anzufangen. Sie gehören aber in Ihre Testdokumente, damit Sie vor dem Start wissen, wie das System damit umgeht.
Was gilt beim Datenschutz?
Formulare enthalten fast immer Personendaten, manchmal auch besonders schützenswerte wie Gesundheitsangaben in einer Unfall- oder Schadenmeldung (Art. 5 DSG). Klären Sie, wo die Verarbeitung stattfindet, ob der Anbieter Ihre Dokumente zum Training verwendet und wie lange Kopien bei ihm liegen bleiben. Worauf Sie bei der Wahl des Anbieters achten, beschreibt KI-Tools mit Datenhaltung in der Schweiz oder EU.
Wie starten Sie ein erstes Projekt?
Klein, mit einer einzigen Dokumentart und voller Kontrolle am Anfang:
- Eine Dokumentart wählen.Nehmen Sie eine, die oft vorkommt und heute von Hand abgetippt wird. Eine Art reicht für den Anfang.
- Felder und Ziel festlegen.Bestimmen Sie, welche Angaben Sie brauchen und wohin sie gehen: in die Branchensoftware, ins ERP oder vorerst in eine Tabelle.
- Echte Beispiele sammeln.Sammeln Sie einige Dutzend Dokumente aus dem Alltag, auch schlechte Scans, Handschrift und Sonderfälle. Mit lauter sauberen Beispielen sieht jeder Test besser aus als der Alltag.
- Ausgangswert messen.Halten Sie fest, wie lange ein Dokument heute dauert und wie oft beim Abtippen Fehler passieren. Wie das einfach geht, zeigt Zeitersparnis durch KI messen.
- Pilot mit voller Kontrolle.Am Anfang prüft eine Person jedes Ergebnis, bis Sie wissen, welche Felder zuverlässig sind. Danach reduzieren Sie die Kontrolle Schritt für Schritt.
Ein Beispiel: Ein Bauunternehmen erhält Lieferscheine als PDF, als Scan und als Handyfoto von der Baustelle. Bisher tippt jemand im Büro Lieferant, Datum, Baustelle, Artikel und Mengen ab, um sie mit den Bestellungen abzugleichen. Im Pilot liest das System diese Felder aus, gleicht sie mit den offenen Bestellungen ab und legt nur Abweichungen zur Prüfung vor. Die Person im Büro kümmert sich dann um das, was wirklich zählt: eine fehlende Lieferung, eine falsche Menge oder einen Artikel, der nie bestellt wurde.
Wie das in verschiedenen Branchen aussieht, zeigt die Seite Datenerfassung. Wie die ausgelesenen Daten ohne Abtippen in Ihre Systeme gelangen, beschreibt unser Service Automatisierung & Integration.
Häufige Fragen
Kann KI auch handschriftlich ausgefüllte Formulare lesen?
Oft ja, wenn die Schrift leserlich ist, etwa Druckbuchstaben in einem Formular. Bei flüchtiger Schrift, Durchschlägen oder schlechten Fotos sinkt die Qualität deutlich. Testen Sie mit Ihren eigenen Dokumenten und lassen Sie solche Fälle von einer Person prüfen.
Was passiert, wenn eine Angabe im Dokument fehlt?
Ein gut eingerichtetes System lässt das Feld leer und legt das Dokument zur Prüfung vor. Gefährlich wird es, wenn es die Lücke mit einem plausiblen Wert füllt. Legen Sie deshalb in der Felddefinition fest, dass fehlende Angaben leer bleiben.
Braucht es eine Schnittstelle zu unserer Software?
Für den vollen Nutzen ja, sonst tippt jemand die ausgelesenen Daten wieder ab. Für einen Pilot genügt oft eine Tabelle oder ein Import. Viele Branchenprogramme bieten Importe oder Schnittstellen, über die die Daten automatisch übernommen werden.
Muss das KI-Modell mit unseren Dokumenten trainiert werden?
Meist nicht. Heutige Modelle lesen Dokumente ohne eigenes Training, wenn die Felder klar beschrieben sind. Ihre Beispieldokumente brauchen Sie vor allem zum Testen, und darunter sollten auch schwierige Fälle sein.
Lohnt sich das auch für Buchhaltungsbelege?
Das Prinzip ist dasselbe. Für Kreditorenbelege bringen viele Buchhaltungsprogramme aber schon eine eingebaute Erkennung mit, die direkt mit Konten und MWST arbeitet. Ein eigenes Projekt lohnt sich eher für Dokumente, für die es keine fertige Lösung gibt.
